Sicherheitsexperte zur Wiesn: Taschenkontrollen sind Schwachstelle

FOCUS Online - 15.09.2016

Viele Oktoberfest-Besucher werden dieses Jahr mit gemischten Gefühlen zur Theresienwiese gehen.

Die Angst vor Terroranschlägen ist groß. Wie für die Sicherheit der Besucher gesorgt werden soll.

Nach den Anschlägen in den vergangenen Monaten ist die Angst groß, dass auch das Oktoberfest zum Ziel von Terroristen werden könnte. Polizei und Sicherheitskräfte sind alarmiert.

Grundsätzlich sollte es nicht nur darum gehen, auf das Schlimmste vorbereitet zu sein, sondern mithilfe präventiver Maßnahmen einem möglichen Anschlag entgegenzuwirken.

Zu den wichtigsten Schritten gehört zum Beispiel, den Veranstaltungsort sowie dessen Umgebung bereits einige Zeit im Voraus zu überprüfen, Unregelmäßigkeiten auszumachen und Auffälligkeiten festzuhalten. Die Ausrichtung dieses sogenannten Basiskonzepts ist dabei aufklärerisch, denn so können mögliche Schwachstellen im Vorfeld erkannt, mitgeteilt und bestenfalls eliminiert werden.

Zur Person

Markus Weidenauer arbeitet bereits seit 1992 im Bereich Sicherheitsmanagement. Er ist Geschäftsführender Gesellschafter der SecCon Group GmbH in München, die Firmen, Veranstalter und Personen zum Thema Sicherheit berät.

Ein Zaun sorgt für mehr Sicherheit auf dem Oktoberfest

Um die Sicherheit der Besucher während des Oktoberfestes zu gewährleisten, wird in diesem Jahr laut Veranstalter auf eine verstärkte Polizeipräsenz sowie mehr Ordner gesetzt. Hinzu kommt der viel diskutierte Zaun, der erstmals das gesamte Areal umgibt. Dabei handelt es sich in meinen Augen um eine mehr als sinnvolle Maßnahme, da dieser die einzige Möglichkeit einer Zugangskontrolle auf das Gelände ist.

Neben Taschen- und Zutrittskontrollen soll es außerdem ein generelles Verbot von Rucksäcken und Taschen geben, die ein Fassungsvermögen von drei Litern überschreiten. Die Kontrolle erfolgt bereits beim Betreten des Geländes, da ansonsten dem Zaun keine Funktion zukommen wird. Wird dem Wunsch nach Mitnahme von Tasche oder Rucksack nicht entsprochen, gibt es entsprechende Verwahrstationen.

Grundsätzlich sind das sinnvolle Maßnahmen, die aufgrund der zu erwartenden Besucherzahl auch dringend notwendig sind, um die nötige Sicherheit zu gewährleisten. Der Zaun macht die Theresienwiese zu einem kontrollierbaren Bereich, wo die Besucher überprüft werden können.

Heikle Kontrollen der Wiesn-Besucher

Jedoch ist gerade in Zeiten erhöhter Terrorgefahr vor allem wichtig, dass die Sicherheitskräfte entsprechend geschult sind, und genau hier liegt oftmals das Problem. Bis dato gibt es noch viel zu wenig Personal, das entsprechend qualifiziert ist. Waren es früher vor allem Waffen oder lautstarke, teilweise handfeste Auseinandersetzungen, die für Unruhen sorgten, gilt es heutzutage, Besucher innerhalb von wenigen Sekunden auf sprengstoffverdächtige Gegenstände zu prüfen und etwaige Gefahrensituationen zu erkennen – und das gilt natürlich auch für die Taschenkontrollen auf dem Oktoberfest.

Hier fehlt erfahrungsgemäß jedoch die Qualifikation in Masse, denn einen selbstgebauten Sprengsatz zu erkennen, erfordert einiges an Kompetenz und Erfahrung.

Zudem muss eine exakte Kommunikationsform und -kette definiert werden, wie die Meldung einer solchen Erkenntnis oder Vermutung kommuniziert wird, ohne eine Panik auszulösen. Dazu sind entsprechende Trainings sowie themenbezogene Seminare für alle Personen, die für die Sicherheit zuständig sind, unumgänglich.

Denn letztendlich ist es das Ziel, dass Besucher auch in Zeiten, in denen Terror für Angst und Schrecken sorgt, ohne unsicheres Gefühl auf einem Volksfest eine schöne Zeit erleben.

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