Die eigene Waffe sorgt nur für eine fatale Scheinsicherheit

FOCUS Online - 25.11.2016

Ein kleiner Waffenschein ist nicht schwer zu bekommen. Immer mehr Bürger beantragen einen, weil sie Angst um ihre Sicherheit haben. Doch die eigene Waffe sorgt nur für eine fatale Scheinsicherheit.

Mit zunehmenden Anschlägen und Amokläufen, die auch in der Bundesrepublik zu verzeichnen sind, steigt zugleich die Anzahl der Bürger, die sich mit frei verkäuflichen Waffen und Verteidigungsmitteln ausstatten. So teilte das Bundesinnenministerium mit, dass im Juni 2016 rund 402.000 kleine Waffenscheine im Nationalen Register gespeichert waren. Im ersten Halbjahr 2015 waren es noch knapp 270.000.

Ein kleiner Waffenschein ist leicht zu kriegen

Für den Erwerb eines kleinen Waffenscheins werden lediglich simple Kriterien aufgerufen. Dazu zählt etwa, dass der Antragssteller volljährig sein muss, keine Vorstrafen aufweist und weder drogenabhängig noch körperlich oder geistig beeinträchtigt ist. Nicht berücksichtigt wird ein Sachkunde- oder Haftpflichtversicherungsnachweis. Auch findet keinerlei Auseinandersetzung mit gesetzlichen Grundlagen wie dem Notwehrrecht statt.

Jeder, der einen kleinen Waffenschein erwirbt, kann ohne Vorkenntnisse oder Übungseinheiten Signal-, Reizstoff- und Schreckschusswaffen mit Prüfsiegel der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) mit sich führen und in Gefahrensituationen anwenden.

Zur Person

Markus Weidenauer arbeitet bereits seit 1992 im Bereich Sicherheitsmanagement. Er ist Geschäftsführender Gesellschafter der SecCon Group GmbH in München, die Firmen, Veranstalter und Personen zum Thema Sicherheit berät.

Die eigene Waffe sorgt für eine fatale Scheinsicherheit

Doch eine zunehmende Selbstbewaffnung der Bürger bedeutet nicht automatisch mehr Sicherheit, ganz im Gegenteil! Es besteht ein erhöhtes Risiko, dass Menschen, die sich in gefährlichen Situationen befinden, diese falsch einschätzen und sich aufgrund der mitgeführten Verteidigungsgegenstände in trügerischer Sicherheit wähnen.

Im Konfliktfall selbst scheitert es aber schnell an der Handhabung, da die Person im Umgang mit der Waffe oft vollkommen ungeübt ist. Zudem glaubt das Gegenüber vermutlich, eine geladene Waffe sei auf ihn gerichtet ist, woraufhin die Gewaltspirale massiv eskalieren kann.

Erschwerend kommt hinzu, dass Gas- oder Schreckschusspistolen scharfen Waffen täuschend ähnlich sehen. Selbst ausgebildete Polizisten und Sicherheitsexperten können diese auf den ersten Blick nicht voneinander unterscheiden. So führt die Selbstbewaffnung auch viel schneller zur Eskalation einer Situation, insbesondere bei großen Menschenansammlungen. Im Getümmel vieler mit Schreckschusspistolen und Reizgas ausgestatteter Leute ist es kaum möglich, Täter und Opfer auseinanderzuhalten – letztendlich greift in so einem Chaos schnell jeder jeden an. Damit stellt die Selbstbewaffnung der Bevölkerung auch für Polizeibeamte und Sicherheitsexperten ein großes Problem dar und kann im schlimmsten Fall zur tödlichen Gefahr werden.

 

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